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A14: Grüne Kulturpolitik für ein modernes Bayern

Veranstaltung: LDK Bayern 2015
AntragsstellerIn: LAK Kultur
Status: Eingereicht
Eingereicht: 17.09.2015, 14:40 Uhr

Antragstext

1Wir fordern die Aufnahme des vom LAK Kultur in Zusammenarbeit mit dem
2kulturpolitischen Sprecher der Landtagsfraktion sowie weiteren kulturpolitischen
3Mandats- und Funktionsträger_Innen erarbeiteten Kulturprogramms[1] in die
4Strategieplanung der Landespartei und die Berücksichtigung unseres
5Handlungskonzeptes durch die grüne Schreibgruppe – auch im Hinblick auf
6zukünftige Wahlprogramme und mögliche Koalitionsverhandlungen.
7Dies wäre nicht nur ein starkes Signal zur besseren Wahrnehmung unserer
8kulturpolitischen Positionen, sondern auch ein klares Zeichen an Künstler_Innen
9und Kreative. Eine gute Vernetzung mit der Kulturszene ist für uns substanziell,
10zumal viele grüne Ideen von Künstler_Innen & Kreativen erstmals erarbeitet und
11thematisiert wurden oder aber von diesen aufgegriffen und weiterverbreitet
12werden.
13Kernpunkte unseres Handlungskonzeptes für Bayern sind:
141. Erstellung eines Landesentwicklungsplans Kultur
  • 15Ein kulturpolitisches Entwicklungskonzept für ganz Bayern zur
    16Sicherung der kulturellen und regionalen Vielfalt.
  • 17Einen Finanzierungs- und Realisierungsplan der anstehenden
    18Sanierungsmaßnahmen der kulturellen Einrichtungen sowie der
    19überfälligen Investitionen und verkappten Folgekosten
  • 20Mehr Transparenz in der Kulturförderung
212. Eine verstärkte Förderung der kulturellen Bildung
  • 22Kulturelle Bildung trägt entscheidend zur Entwicklung „nachhaltiger“
    23Kompetenzen bei, die bei der Bewältigung der gegenwärtigen Krisen und
    24beim Umbau unserer Industriegesellschaft in eine gerechtere,
    25nachhaltigere Postwachstumsgesellschaft notwendig sind. Entsprechende
    26Angebote sollen deshalb alle Menschen - von der Kindertagesstätte bis
    27ins hohe Alter und unabhängig vom sozialen Status - erreichen.
  • 28Bayern ist gefordert, Modelle und Finanzierungsmöglichkeiten für
    29Kulturelle Bildung in der Breite zu finden. Vernetzung ist das Gebot
    30der Stunde – der kulturellen Einrichtungen untereinander und mit
    31freien Trägern sowie der Bereiche Bildung, Kultur und Soziales.
323. Ein Bildungssystem, das jeden Menschen als vielseitiges Individuum sieht,
33statt einer einseitigen Betonung der sogenannten MINT-Fächer und Sprachen.
  • 34Wir stehen deshalb für ein ganzheitliches Bildungssystem, in dem
    35künstlerische Fächer den gleichen Stellenwert wie Naturwissenschaften
    36und Sprachen haben und sich mit diesen wechselseitig ergänzen. Dies
    37bedeutet u.a. auch, dass an allen Schultypen mehr Stellen für musische
    38Fächer mit qualifizierten Lehrkräften besetzt werden müssen.
  • 39Grundsätzlich wollen wir Bildungs-, Kultur- und Sozialeinrichtungen
    40stärker vernetzen und für freie Träger öffnen. Insbesondere in der
    41Ganztagsschule wollen wir die Kooperation mit kommunalen
    42Kultureinrichtungen und Künstler_Innen fördern. Wir fordern darüber
    43hinaus eine angemessene Entlohnung der Lehrkräfte im Bereich
    44kultureller Bildung und an den Hochschulen für Musik und Theater sowie
    45eine Übernahme in feste Arbeitsverhältnisse.
464. Eine vermehrte Beachtung und Förderung der Kultur- & Kreativwirtschaft
  • 47Kultur- und Kreativwirtschaft sind ein wichtiger Standortfaktor. Die
    48Gesamtzahl aller in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern
    49Beschäftigten belief sich im Jahr 2009 auf knapp 284.000 Personen - so
    50nachzulesen im Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht Bayern. Im Jahr
    512010 betrug der Umsatz der bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft
    52etwas mehr als 31 Milliarden €.
  • 53Stolze Zahlen, aber viele Kultur- und Kreativschaffende leben und
    54arbeiten unter sehr schwierigen Bedingungen: Wir wollen prekären
    55Verhältnissen der Kulturschaffenden entgegenwirken - z.B. indem wir
    56die massive Unterbezahlung der Beschäftigten im Theaterbereich
    57bekämpfen und die Mindestgagen auf ein für die Künstler_Innnen
    58akzeptables Niveau anheben.
  • 59Die Beratungsangebote für Kunstschaffende erhalten und ausbauen.
  • 60Zeitgenössische Kunstformen und innovative Ideen zur Kunstvermittlung
    61fördern: Kunst gehört ins alltägliche Leben und nicht nur ins Museum
    62oder in den Konzertsaal.

Begründung

Wir leben im Wohlstand, aber die jetzige Lebensweise ist teuer erkauft. Sie hat den Menschen nicht das erhoffte Wohlergehen beschert. Stattdessen sind wir Menschen zunehmend eingespannt in eine konforme, angepasste Gesellschaft, die Shareholder-Value über Gemeinwohlinteressen setzt. Gleichzeitig ist die Gesellschaft zunehmend gespalten durch Ungerechtigkeit und blockiert, es droht ein Abbau der Bürgerrechte. Und da ist das bedrückende Gefühl, auf Kosten der Armen in der Welt und der zukünftigen Generationen zu leben. Scheinbar ohnmächtig ist der Einzelne mit vielfältigen Bedrohungen konfrontiert: Finanzkrise, Klimawandel, Ressourcenkriege und Bedrohung durch extremistische Gruppierungen, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten.

Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, müssen wir unsere Denkmuster verändern, unsere Vorstellungen von dem, was wichtig ist für uns und die Gesellschaft, wie wir Glück und Ansehen definieren, wie wir leben wollen. Diese Veränderung muss die Gesellschaft in ihrer Breite erfassen. Der Weg aus der Krise kann nur gelingen, wenn es uns gelingt, dabei die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.

Kunst und Kultur können uns zeigen, dass unsere gegenwärtige Sicht der Dinge nicht die einzig mögliche ist. Das Aufbrechen alter Denkmuster ist das Kerngeschäft von Kunst und Kultur.

Kunst ist ein Weg, sich mit der Welt auseinanderzusetzen und sie zu gestalten. Sie ermutigt uns, die Werte der Industriegesellschaft nicht als naturgegeben, sondern als gestaltbar wahrzunehmen. Über die Auseinandersetzung mit Bildern, Werten und Symbolen ist sie eine wichtige Impulsgeberin auf der Suche nach Lösungsansätzen für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft. Kunst regt dazu an, vernetzt zu denken und zu fühlen und die Folgen des eigenen Tuns auf andere einzubeziehen – vor Ort, in der Welt und mit Blick auf zukünftige Generationen.

Künstlerische Ausdrucksformen liefern zwar keine Utopien auf Bestellung, aber sie eröffnen den Raum der Möglichkeiten, in dem das Andere, das Unerwartete auftauchen kann, in dem auch das Ungewisse und Fragen Platz haben. Hier kann man Bestehendes mit anderen Augen sehen, mit der Lust und Faszination des Entdeckers; man kann alternative Möglichkeiten imaginieren, im Bereich der Bilder vorwegnehmen und überprüfen. So werden im besten Fall die Bilder und Symbole unserer Kultur reflektiert und die Paradigmenwechsel vorbereitet, die wir brauchen.

Kultur bietet experimentelle Freiheit, die den Raum der Möglichkeiten für die Gesellschaft eröffnet. Kreativität kann Denkblockaden lösen und frei machen für neue Wege in die Zukunft.

Kunst und Kultur sind untrennbar mit unserer Gesellschaft verbunden. Eine Gesellschaft, die künstlerisches Schaffen und kreative Vielfalt fördert, gewinnt an Entwicklungsmöglichkeiten. Kunst kann Veränderung bewirken. Durch gemeinsames, aktives Gestalten der Lebenswirklichkeit vor Ort und kritische Auseinandersetzung mit vorgefundenen Traditionen kann Raum für ein Heimatgefühl entstehen, das zur Beteiligung einlädt. Der Zugang zu künstlerischer Betätigung, kultureller Bildung und zu Kultureinrichtungen sollte deshalb für alle Menschen, gleich welcher Herkunft, Alters- und Gesellschaftsschicht, gewährleistet sein.

Aufgabe von Kulturpolitik ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dies fördern.
Der Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ stellt fest: Kulturpolitik ist auch Gesellschaftspolitik. „Sie wirkt durch Kunst und Kultur beeinflussend und prägend auf die Grundorientierungen des gesellschaftlichen Lebens ein.“ Die Weimarer Erklärung vom Januar 2010 spitzte dies noch zu: „Ein an den Mustern des Industriezeitalters ausgerichteter Kapitalismus vernichtet seine eigenen Grundlagen“.

Indem Kulturpolitik aktuelle Impulse aus Kunst und Kultur in alle Politikfelder vermittelt und für die Allgemeinheit erfahrbar macht, wird sie zu einem unverzichtbaren Element von Nachhaltigkeitsprozessen. Kulturpolitik arbeitet mit anderen Mitteln als die Bildung, sie setzt auf Kreativität, Emotion, Austausch und Perspektivwechsel. Das Ziel ist aber das Gleiche: im einzelnen Menschen und in der Gesellschaft die Kompetenzen zu stärken, die wir für den Übergang in die postindustrielle Gesellschaft brauchen. „Kultur“ kommt von „gestalten“. Kultur ist ein Synonym für die Veränderbarkeit der Welt.

Darüber hinaus steht grüne Kulturpolitik im Dienste der Lebensqualität. Kulturelle Projekte können Botschafter Bayerns, seiner Städte und Regionen sein. Sie schaffen Kontakte und können Menschen und Nationen verbinden.

Konsequenter als bei anderen Parteien möchte Grüne Kulturpolitik den einzelnen Menschen wie auch die Gesellschaft als Ganzes in die Lage versetzen, die Zukunft aktiv und kreativ zu gestalten - in der eigenen Stadt, in der eigenen Region, im eigenen Land und weltweit. Die Bewahrung des kulturellen Erbes dient nicht nur der Vergewisserung der eigenen Identität, sondern auch als Erfahrungsschatz für die Zukunft und Ausgangspunkt für die Begegnung mit anderen Kulturen.

Künste/Kultur und kulturelle Bildung fördern so auch die Entwicklung von interkultureller Kompetenz und eröffnen damit zusätzliche neue Erfahrungs- und Problemlösungsmöglichkeiten.

GRÜNE Kulturpolitik ist deshalb kein nettes "nice to have" in einem Umfeld vermeintlicher Kernthemen, sondern eine zentrale Bedingung für das Gelingen von Energiewende und Umbau der Industriegesellschaft in eine gerechtere, nachhaltigere und zukunftsfähigere Gesellschaft.

UnterstützerInnen

UnterstützerInnen:
  • Florian Hiermeier (KV München), Gertraud Schmidbauer (KV Roth, Georgensgmünd), Martin Luff (KV Roth), Michael Gerr (KV Würzburg-Stadt, Mitglied im Parteirat), Mücahit Tunca (KV München, Mitglied im Parteirat), R. Bittner (KV Roth), Dr. Sepp Dürr (KV Fürstenfeldbruck, MdL), Dr. Ursula Burkhardt (Kreisrätin/Kreisvorstand KV Roth),Verena Osgyan (KV Nürnberg, MdL)