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A1: Grüne Wege in eine bayerische Landwirtschaft mit Zukunft

Veranstaltung: LDK Bayern 2015
AntragsstellerIn: Landesvorstand, Parteirat
Status: Eingereicht
Eingereicht: 14.09.2015, 16:26 Uhr

Antragstext

1Wie wir in Bayern Landwirtschaft betreiben, geht uns alle etwas an. Es
2beeinflusst unsere Ernährung, den Zustand unserer Umwelt, das bayerische
3Landschaftsbild und die Existenz eines ganzen Berufsstandes zutiefst. Und dabei
4treffen wir auch moralische Entscheidungen, wie wir mit Tieren und Pflanzen
5umgehen, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen.
6In Bayern sind wir derzeit an einem Wendepunkt. Das traditionell durch
7kleinbäuerliche Betriebe bewirtschaftete Land befindet sich in einer Phase des
8schleichenden und dennoch unerbittlichen strukturellen Wandels: Der durch
9Industrie, Handel und Politik vorgegebene Kurs ist, möglichst viel zu möglichst
10billigen Preisen herzustellen. Darunter leidet nicht nur die Qualität unserer
11Lebensmittel. Auch unsere Umwelt, unser Trinkwasser, die Tiere und immer öfter
12auch unsere Gesundheit werden in Mitleidenschaft gezogen. Dabei bekommen unsere
13Bauern für ihre Erzeugnisse längst nicht, was sie eigentlich verdienen. Dem
14Überlebenskampf auf dem unerbittlichen Weltmarkt sei Dank.
15Wir müssen uns entscheiden, ob wir Bäuerinnen und Bauern, das Handwerk, die
16Menschen, die in der Ernährungswirtschaft arbeiten, wertschätzen und wie wir
17einen Weg finden, ihnen faire Löhne und faire Preise zu ermöglichen. Wir müssen
18die richtigen politischen Weichen stellen, damit ein „Immer mehr, immer
19billiger“ nicht die bäuerliche Landwirtschaft, die Tierwürde, die Umwelt und
20Kulturlandschaft mit Füßen tritt.
21Wir haben es in der Hand, uns für den richtigen Weg zu entscheiden.
22Bayern braucht eine Wende in der Agrarpolitik und wir Grüne haben klare
23Vorstellungen davon, wie diese Agrarwende aussehen kann. Damit übernehmen wir
24Verantwortung für unsere regionale bäuerliche Landwirtschaft und für globale
25Gerechtigkeit. Wir Grüne stehen für
  • 26Eine tiergerechte Haltung
  • 27Gutes Essen ohne Gentechnik, Antibiotika & Gifte
  • 28Eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur
  • 29Eine Landwirtschaft nahe am Menschen: regional und ökologisch
  • 30Eine global gerechte Landwirtschaft
31I Eine Frage der Haltung
32Tiergerechte Haltung und Abschaffung von Tierfabriken in Bayern
33Die industrielle Haltung landwirtschaftlich genutzter Tiere hat in den letzten
34Jahrzehnten in Deutschland in dramatischer Weise zugenommen. Deutschland
35entwickelt sich zunehmend zum Exportland für Schlachttiere, Fleisch und
36Fleischprodukte. Diese Fehlentwicklung hat auch Bayern erfasst. Immer mehr Tiere
37werden in immer größeren Mastfabriken gehalten: 50.000 Masthähnchen oder 2.000
38Schweine pro Stall sind auch bei uns keine Seltenheit mehr. Tendenz steigend.
39Fehlentwicklung stoppen
40Nicht mehr Tiere, sondern mehr für’s Tier: das ist der Weg in die
41Qualitätslandwirtschaft, den wir gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern, mit
42Verbraucherinnen und Verbrauchern gehen wollen.
43Mehr Tierschutz in bayerischen Ställen
44In Grün geführten Landwirtschaftsministerien hat der Paradigmenwechsel bereits
45begonnen, unter anderem mit der Einführung von Tierschutzplänen,
46Tierschutzbeauftragten und einem Klagerecht für Tierschutzverbände. Auch Bayern
47braucht diesen Paradigmenwechsel. Ziel ist es, mit allen Betroffenen gemeinsam
48an Lösungen und deren Umsetzung zu arbeiten. Denn mehr Tierschutz schafft auch
49mehr VerbraucherInnenakzeptanz und höhere Lebensmittelqualität. Der im
50Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankerte Tierschutz muss endlich
51konsequent umgesetzt werden.
52Maßnahmen:
  • 53Einführung eines Tierschutzplans für Bayern mit klaren Fristen zur
    54Umsetzung
  • 55Schaffung der Stelle einer/s Tierschutzbeauftragten für Bayern
  • 56Ermöglichung des Verbandsklagerechts für Tierschutzverbände
57Keine Amputationen bei Schweinen, Rindern und Hühnern
58Tiere werden in der industrialisierten Tierhaltung lediglich als Ware und
59Produktionsfaktor gesehen. Enge, Bewegungsmangel, Überzüchtung und hohe
60Tierzahlen in einem Stall sind schrecklicher Alltag für Millionen von Tieren.
61Auf einem Quadratmeter drängen sich bis zu 26 schlachtreife Masthühner, ein 110
62kg schweres Mastschwein muss mit 0.75 qm auskommen. Eine Zuchtsau verbringt etwa
63die Hälfte ihres Lebens fast bewegungsunfähig im „Ferkelschutzkorb“ und im
64Kastenstand. Schweineschwänze werden abgeschnitten, Schnabelspitzen bei Küken
65amputiert und Hornansätze bei Kälbern ausgebrannt, damit sich die eingezwängten
66Tiere nicht gegenseitig verletzen. Nach dem Wortlaut des Tierschutzgesetzes
67müssten derartige Eingriffe die Ausnahme sein. In der Realität sind sie die
68Regel.
69Damit wollen wir Schluss machen. Ziel grüner Politik ist es, die Gründe für das
70Federpicken und Schwanzbeißen abzustellen und zu ermöglichen, dass horntragende
71Tiere gehalten werden können. Wir müssen die Ställe an die Tiere anpassen und
72nicht umgekehrt. Die Tiere benötigen ausreichend Platz, Auslauf, Tageslicht und
73Beschäftigungsmöglichkeit.
74Maßnahmen:
  • 75Ein ausdrückliches Verbot von Haltungsformen wie Käfighaltung und
    76Kastenstand
  • 77Sofortiges Verbot Tiere grundlos zu töten, wie beim Schreddern der
    78männlichen Küken bei Legehennen
  • 79Sofortiges Verbot von der Amputation von Schnabelspitzen sowie der der
    80Einstallung schnabelgekürzter Jungvögel
  • 81Schnellstmögliches Verbot von Tierverstümmelungen, wie der Amputation
    82von Schweineschwänzen sowie dem Ausbrennen von Hornansätzen bei
    83Kälbern. In einer Übergangszeit Unterstützung der Haltungsumstellung
    84durch Fördermaßnahmen für Stallumbauten oder Prämien wie der
    85Ringelschwanzprämie in Niedersachen
  • 86Verbot der betäubungslosen Kastration bei männlichen Ferkeln
87Stroh im Stall statt Voll-Spaltenböden
88Wie dringend ein Umdenken bei den Haltungsbedingungen ist, zeigt auch eine
89jüngst veröffentlichte Studie der LMU zu Voll-Spaltenböden in der Schweinemast.
9092 Prozent der untersuchten Tiere aus konventioneller Haltung hatten
91schmerzhafte Veränderungen an den Gelenken. Die Studie belegt einmal mehr unsere
92Forderung nach einer Rückkehr zu Stroheinstreu.
93Während in der Milchviehhaltung mit modernen Laufställen in den letzten Jahren
94Fortschritte im Hinblick auf tiergerechte Haltung gemacht wurden, haben sich die
95Haltungsbedingungen für Schweine- und Geflügel verschlechtert.
96Maßnahmen:
  • 97Stallumbauprogramme zur Förderung umsteigewilliger Betriebe von Voll-
    98Spaltenböden auf Stroh im Stall
  • 99Streichung der Basisprämie von 15 % für Stallneubauten nach den
    100gesetzlichen Standard und Umschichtung für Umbauten bestehender Ställe
    101mit Offenhaltung und Stroheinstreu.
  • 102Auflegen eines Festmistprogramms
103Ende der ganzjährigen Anbindehaltung
104Dass Kühe ihr Leben lang im Stall angebunden sind, wollen wir nicht länger
105hinnehmen. Die saisonale Anbindehaltung ist aber in kleinen Betrieben,
106insbesondere im Berggebiet, Teil der bäuerlichen Tradition in Bayern. Soweit
107sichergestellt ist, dass die Tiere von Frühjahr bis Herbst auf die Weide kommen
108und im Winter ausreichend Auslauf haben, soll es auch künftig erlaubt sein, die
109Kühe im Anbindestall zu halten. Gut geführte Höfe mit saisonaler Anbindehaltung
110erhalten durch die Beweidung die Biodiversität in Grünlandgebieten.
111Grundsätzlich wollen wir die Weidehaltung von Kühen und Rindern fördern,
112unabhängig von der Stallform. Denn selbst in Bayern kommen nur noch 16% der
113Milchkühe auf die Weide.
114Käfighaltung abschaffen - Hühner zurück auf die Höfe
115Der Bayern-Ei-Skandal hat der tierquälerischen Haltung von Legehennen in
116Monsterfabriken, zusammengepfercht in engen Käfigen, eine traurige Aktualität
117verliehen. Es gibt sie noch: Legebatterien mit hunderttausenden von Tieren,
118obwohl sie längst hätten verboten werden müssen. Alleine in Bayern leben rund
1191,3 Millionen Hennen in Käfigen. Nachdem der damalige
120Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) die Käfighaltung 2009 unter
121anderem Namen wiedereingeführt hat, erklärte das Bundesverfassungsgericht diese
122Haltungsform für verfassungswidrig. Doch die ehemalige
123Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erließ kein entsprechendes
124Gesetz zur Abschaffung der Käfighaltung. Für uns Grüne ist klar, dass
125Deutschland dem Beispiel Österreichs folgen und aus der Käfighaltung aussteigen
126muss. Weil Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) untätig ist,
127fordern wir für Bayern ein Ende der Käfighaltung bis 2017 auf dem Verordnungsweg
128ein.
129Hühner gehören zurück auf die Höfe. Statt in riesigen Tierfabriken wollen wir
130erreichen, dass Hühner wieder in kleineren Einheiten auf den Bauernhöfen
131gehalten werden. Wir unterstützen Initiativen zur Förderung von mobilen
132Hühnerställen und Erzeugergemeinschaften von Legehennen, die z.B. mit
133Eiersammelwagen die dafür notwendigen regionalen Vermarktungsstrukturen
134schaffen.
135Maßnahmen:
  • 136Abschaffung der Käfighaltung in Bayern bis 2017. Ab sofort sollen
    137keine Anlagen oder Anlagenerweiterungen mit Käfighaltung mehr
    138genehmigt werden.
  • 139Förderung mobiler Hühnerställe und Initiativen zur Schaffung
    140entsprechender regionaler Vermarktungsstrukturen für Eier
141Keine Privilegierung von Tierfabriken
142Ein Grund für den ungebremsten Bau riesiger Mastställe ist eine zu großzügige
143Auslegung des §35 Baugesetzbuch über das privilegierte Bauen im Außenbereich.
144Deshalb wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Genehmigungen von
145industriellen Tierhaltungen so restriktiv wie möglich zu handhaben. Die
146Bauprivilegierung muss bäuerlichen Betrieben vorbehalten bleiben und ihre Grenze
147dort finden, wo Betriebe eine förmliche Genehmigung nach dem
148Immissionsschutzrecht benötigen. In einigen Regionen ist die Anzahl der
149Tierhaltungsanlagen besonders stark konzentriert. Hier kämpfen die BürgerInnen
150mit der Bioaerosol- und Ammoniakbelastung und dem Gestank. An diesen Orten muss
151es den Kommunen möglich sein, den Zubau von Mastanlagen in eigener Verantwortung
152zu bremsen. Bodengebundene Tierhaltung in der Landwirtschaft muss wieder zur
153Regel werden. Nur Betriebe, die über 50 Prozent des benötigten Futters auf
154eigenbewirtschafteten, hofnahen Flächen auch tatsächlich selbst erzeugen und an
155ihre Tiere verfüttern, sollen eine baurechtliche Privilegierung als
156landwirtschaftlicher Betrieb bekommen. Wird die Futteranbaufläche reduziert,
157muss im entsprechenden Umfang auch der Tierbestand verkleinert werden.
158Flächengebundene Tierhaltung darf sich eben nicht nur auf die Gülleverwertung
159beziehen, sondern auch auf die Futtergrundlage. Darin sehen wir eine wichtige
160Säule einer eigenverantwortlichen bäuerlichen Qualitätslandwirtschaft, die
161tiergerecht und nachhaltig wirtschaftet.
162Maßnahmen:
  • 163Bauprivilegien nur für landwirtschaftliche Betriebe, die nicht unter
    164das Immissionsschutzrecht fallen
  • 165Verringerung der Besatzdichte und eine bodengebundene Tierhaltung
  • 166Ein Filtererlass, der für große Schweinemastställe einen Abluftfilter
    167nach dem Stand der Technik zwingend vorschreibt, so wie dies in vielen
    168anderen Bundesländern bereits praktiziert wird
  • 169Kontrollmöglichkeiten zur Einhaltung der Flächenbindung ausweiten
170Beratungsangebote für eine tiergerechte Haltung
171Bei der Umstellung auf gute Haltungssysteme sind große Investitionen nötig. Der
172Umbau von Ställen und Stallneubauten ist aber nicht nur kosten- sondern auch
173beratungsintensiv. Die Beratungsstruktur in der Landwirtschaft ist von wenigen
174Verbänden dominiert, die einseitig auf Wachstum setzen. Wir Grüne wollen
175zukunftweisende Beratungsprojekte fördern, sie ausbauen und neue Projekte
176anstoßen, um das Ziel einer tiergerechten Haltung zu erreichen.
177Maßnahmen:
  • 178Förderung von unabhängigen Beratungsprojekten für eine tiergerechte
    179Haltung
180Schluss mit Überzüchtung
181Die auf Hochleistung und Turbowachstum einseitig ausgerichtete Zucht und zum
182Teil groteske Überzüchtung der Tiere führt zu Tierleid und haltungsbedingten
183Krankheiten. Puten, Masthühner und Enten haben Knochendeformationen und massive
184Bewegungseinschränkungen aufgrund zu schnellen Wachstums und Legehennen werden
185zu Legemaschinen. Bei Kühen verringert die Fokussierung der Zucht auf die
186Jahresleistung die Lebenserwartung deutlich. Durchschnittlich werden Kühe nur
187noch 5 Jahre und drei Monate alt. Wir Grüne sehen einen dringenden
188Handlungsbedarf, die Zuchtziele zu Gunsten von Langlebigkeit, Robustheit und
189Tiergesundheit und bei Kühen auf Lebensleistung anzupassen. In der Mast braucht
190es eine Begrenzung der täglichen Zunahmen bei den Zuchtzielen. Wir wollen
191Forschungsprogramme fördern, die tiergerechte Zuchtziele statt Höchstleistung im
192Augen haben und alte, regionale Nutztierrassen wieder etablieren. Gerade für
193Bayern mit seinen vielen Bergregionen und Grenzertragsflächen haben alte
194Nutztierrassen große Vorteile. Wir wollen, dass auch in Zukunft die horntragende
195Kuh ihren Platz in der bäuerlichen Landwirtschaft in Bayern hat. Die
196Hornloszüchtung ist für uns nicht der Königsweg.
197Kein System der Wegwerftiere
198In einem System, das Landwirtinnen und Landwirte in die Produktion möglichst
199billiger Massenware zwingt, das hochgradige Spezialisierung fordert, werden
200Tiere zu Abfall, wenn sich ihre Aufzucht wirtschaftlich nicht lohnt. Ein
201Beispiel ist das massenhafte Töten männlicher Küken bei Legehennen. Da die Hähne
202dieser Legerassen zu langsam wachsen, werden sie als Eintagsküken vergast oder
203geschreddert. Das muss nicht so sein: In Bayern gibt es bereits einige Pioniere,
204wie das Hahn-Henne-Ei Projekt. Hier dürfen auch männliche Küken aufwachsen. In
205der Schweinezucht mit dem Ziel immer größerer Würfe, werden „überzählige“,
206schwache Ferkel oftmals getötet. Selbst Bullenkälber von hochspezialisierten
207Milchkühen droht diese Entwicklung. Hier müssen wir in Bayern schon frühzeitig
208gegensteuern. Wir setzen uns ein für staatlich unterstützte Forschungsprogramme
209zur Züchtung von Zweinutzungsrassen z.B. bei Hühnern.
210Das Schlachten trächtiger Kühe findet auch in deutschen Schlachthöfen statt.
211Ihre Kälber ersticken qualvoll im Mutterleib. Wir Grüne fordern daher ein
212Schlachtverbot für trächtige Kühe, Notschlachtung ausgenommen.
213Maßnahmen:
  • 214Förderung von Forschungsprogrammen mit den Zuchtzielen :
    215Langlebigkeit, Robustheit und Tiergesundheit
  • 216Förderung von Zweinutzungsrassen und Bruderhahnprojekten
  • 217Schlachtverbot für trächtige Kühe
218Bayern als Vorreiter tiergerechter Haltung
219Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Ausgangslage in Bayern für die
220Verhinderung der Ausweitung von industriellen Tierhaltungen günstig. Noch ist es
221möglich, eine negative Entwicklung in Bayern aufzuhalten, die bäuerliche
222Landwirtschaft zu stärken und eine Umstellung auf tiergerechte Haltungsformen zu
223erreichen. Dafür gibt es einen breiten Konsens in der Gesellschaft.
224II Gutes Essen ohne Gentechnik, Antibiotika & Gift Wissen, was drin ist!
225Verlässliche und umfassende Kennzeichnung
226Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher stellen höhere Ansprüche an die
227Erzeugung und die Qualität ihres Essens. Sie fordern mehr Transparenz darüber,
228wie ihre Lebensmittel erzeugt wurden und wo sie herkommen. Die Zeit ist reif für
229die Einführung einer Tierhaltungskennzeichnung für alle vom Tier stammenden
230Lebensmittel. Erst eine transparente Kennzeichnung mit klar erkennbaren
231Alternativen beim Einkauf und eine wirksame Kontrolle bewirken einen Wandel.
232Undurchsichtige Manöver wie die Tierwohlinitiative von
233Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt sind ungeeignet. Wir Grüne wollen, dass
234die Haltungsbedingungen der Tiere auf Verpackungen unkompliziert gekennzeichnet
235werden. Ähnlich wie die 0,1,2,3 bei Frischeiern, soll kenntlich gemacht werden,
236aus welchen Haltungsformen das Fleisch von Schweinen, Rindern und Geflügel
237kommt. Mit ausreichender Transparenz werden sich Produkte aus tiergerechter
238Haltung auf dem Markt durchsetzen. So sind bereits die Käfigeier aus den Regalen
239der Supermärkte weitestgehend verschwunden. Dies gilt aber noch nicht für
240Lebensmittel, in denen Eier enthalten sind. Wir wollen auch bei verarbeiteten
241Eiern eine Kennzeichnung auf der Verpackung, damit tierquälerische Haltung ein
242Ende hat.
243Maßnahmen:
  • 244Recht auf Information: Einführung verbindlicher Herkunfts- und
    245Haltungskennzeichnung von Fleisch und von Eiern auch in verarbeiteten
    246Lebensmitteln
  • 247Ehrlichkeit auf der Verpackung statt geschönter Bilder: Keine
    248Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher durch vorgetäuschte
    249Bauernhofidylle beim Produktmarketing
250Antibiotika nur im Einzelfall bei kranken Tieren
251Rund eine Million Menschen infizieren sich nach Angaben der Deutschen
252Gesellschaft für Krankenhaushygiene jährlich mit multiresistenten Keimen. Für
25330.000 bis 40.000 Menschen ist diese Infektion die wesentliche Todesursache.
254Nicht alle MRSA-Keime kommen aus der Landwirtschaft, doch wir wissen heute, dass
255Resistenzen dort entstehen, wo Antibiotika viel und häufig eingesetzt werden.
256Wie in der industriellen Massentierhaltung, die ohne das Schmiermittel
257Antibiotika nicht funktioniert. 76% der Schweine und 83% des Mastgeflügels
258erhalten während ihres kurzen Lebens zum Teil sogar mehrfach Antibiotika. Bei
259der Erkrankung einzelner Tiere wird oft gleich der ganze Bestand behandelt. Je
260größer und dichter der Bestand, desto größer ist das Gesundheitsrisiko bei den
261Tieren und entsprechend hoch ist der Antibiotikaeinsatz. Bei der Agrarwende geht
262es daher nicht nur um die Frage der Tierhaltung, sondern ganz zentral auch um
263den Schutz der Gesundheit der Menschen. Bis heute schiebt die Bundesregierung
264dem dramatisch hohen Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft keinen Riegel
265vor. Selbst Reserveantibiotika, die der Humanmedizin vorbehalten bleiben müssen,
266finden inzwischen ihren Weg in die Käfige und Zellen der industriellen
267Massentierhaltung. Der Handlungsbedarf für die Politik ist eindeutig. Unser Ziel
268ist es, den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung in den nächsten fünf
269Jahren zu halbieren und den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast zu
270verbieten.
271Dafür brauchen wir ein funktionierendes Antibiotika-Erfassungssystem, das
272belastbare Daten liefert und eine betriebsbezogene Auswertung ermöglicht.
273Maßnahmen:
  • 274Verbot des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tiermast
  • 275Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tiermast um 50% in
    276den nächsten fünf Jahren
  • 277Bessere Kontrolle des Antibiotikaeinsatzes und scharfe Sanktionen bei
    278Missbrauch
  • 279Optimierung des Antibiotika-Erfassungssystems und Einführung einer
    280zentralen Datenbank zur Erfassung der tierärztlichen Dokumentationen
  • 281Abschaffung von Mengenrabatt auf Antibiotika und andere Medikamente
  • 282Zwingende tierärztliche Untersuchung kranker Tiere vor Ort vor der
    283Medikamentenverschreibung
284Keine Risiko-Gentechnik auf unseren Tellern und Feldern
285Wir wollen eine 100 Prozent gentechnikfreie Landwirtschaft und keine Gentechnik
286auf unseren Tellern - bayernweit, deutschlandweit und EU-weit. Genmanipulation
287bedeutet unkalkulierbare Risiken für Umwelt, Gesundheit und Gesellschaft und
288eine Totalabhängigkeit unserer LandwirtInnen von Monsanto und Co. Mehr als 80
289Prozent der Bevölkerung lehnt Gentechnik auf den Feldern ab. Die CSU spielt ein
290falsches Spiel: hierzulande mimt sie den vehementen Gegner der Gentechnik und in
291Berlin unterstützt sie die Merkel-Regierung und stimmt für die Interessen der
292Genlobby.
293Konsequent gentechnikfrei in der Land- und Ernährungswirtschaft
294Auf Bundes- und EU-Ebene kämpfen wir Grüne gegen die Zulassung und Vermarktung
295von gentechnisch verändertem Saatgut und gegen einen Patentschutz gentechnisch
296veränderter Pflanzen und Tiere. Wir fordern eine vollständige und deutliche
297Kennzeichnung von Lebensmitteln, die unter Einsatz von gentechnisch veränderten
298Organismen entstanden sind. Dies bezieht sich insbesondere auf den Einsatz von
299gentechnisch verändertem Futtermittel.
300Maßnahmen:
  • 301Einsatz auf EU-, Bundes- und Landesebene gegen die Zulassung und
    302Vermarktung von gentechnisch verändertem Saatgut
  • 303Kein Patent auf Leben
  • 304Vollständige Kennzeichnung von genmanipulierten Lebensmitteln
  • 305Einsatz für den sofortigen Stopp der Verhandlungen der
    306Freihandelsabkommen TTIP und CETA, welche die Einführung von
    307Gentechnik ermöglichen
  • 308Dauerhafte Sicherung der Null-Toleranz bei Saatgut
  • 309Förderung des Anbaus heimischer Eiweißpflanzen
310III Eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur
311Sauberes Wasser statt Gülleseen
312Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. In immer mehr Regionen Bayerns ist die
313Qualität des Grundwassers wegen der hohen Nitrat- und Gifteinflüsse aus der
314Landwirtschaft bedroht. Wasserversorger mussten bereits Trinkwasserbrunnen
315schließen oder teure Wasseraufbereitungsanlagen bauen. Besonders in Regionen mit
316industrieller Tierhaltung, verstärktem Grünlandumbruch und großflächigem
317Maisanbau steigen die Nitratwerte. Die Risikoanalyse des Landesamtes für Umwelt
318(LfU) zeigt, dass bis zum Jahr 2021 knapp 40% der bayerischen Grundwasserkörper
319gefährdet sind. Hauptursache der Misere ist das Desinteresse der CSU-
320Staatsregierung und des Bauernverbandes an einem konsequenten Schutz des
321Wassers. Obwohl Deutschland Strafzahlungen aus Brüssel drohen falls nicht mehr
322zur Reinhaltung des Grundwassers passiert, blockieren CSU und Bauernverband eine
323ernsthafte Novellierung der Düngeverordnung mit einer Hoftorbilanz und klaren
324Düngeobergrenzen. Grundwasserschutz kann aber nicht auf Freiwilligkeit und
325Zuschüssen basieren. Dafür braucht es klare gesetzliche Vorgaben. Wir wollen
326eine betriebsbezogenen Erfassung der Düngemengen und eine Förderung des
327vielfältigen Landbaus mit lokalen Nährstoffkreisläufen von der
328Futtermittelversorgung bis zur Wirtschaftsdüngeranwendung statt großflächiger
329Monokulturen und Gülleseen. Stroh im Stall verhindert nicht nur Tierleid, es
330schützt auch Böden und Gewässer vor zu hohen Nitrat- und Phosphateinträgen. Weil
331Bayern als einziges Bundesland die fünf Meter breite Pufferzone zwischen Äckern
332und Gewässern immer noch nicht zur Pflicht gemacht hat, gelangen die Einträge
333weiterhin ungehindert in unsere Bäche und Flüsse. Das Prinzip der Freiwilligkeit
334bringt keinen ausreichenden Schutz.
335Maßnahmen:
  • 336Betriebsbezogene Erfassung der Düngemengen
  • 337Novellierung der Düngeverordnung mit einer Hoftorbilanz und klaren
    338Düngeobergrenzen
  • 339Einführung eines verpflichtenden Gewässerrandstreifens
340Mehr biologische Vielfalt statt ausgeräumter Landschaften
341Nicht nur das Wasser auch Böden und Biodiversität sind gefährdet.
342Hauptverursacherin für den Rückgang der biologischen Vielfalt ist die schädliche
343Intensivlandwirtschaft und damit verbunden der massive Umbruch von Grünland.
344Gerade in Bayern ist - neben Niedersachsen und Schleswig-Holstein - der Rückgang
345des Grünlandes dramatisch. In zehn Jahren sind in Bayern 60.000 Hektar
346Dauergrünland verloren gegangen, umgewandelt in Ackerfläche oder durch Bebauung
347versiegelt. Die noch vorhandenen Wiesen und Weiden werden oft ähnlich
348ausbeuterisch bewirtschaftet wie die Äcker. Um dies zu ändern wollen wir mehr
349Magerflächen mit weniger Schnitten pro Jahr. Denn wir brauchen artenreiches
350Dauergrünland für den Wasser- und Bodenschutz, für Biodiversität. Wiesenblumen
351und Weidekräuter dienen vielen Lebewesen als Nahrung und Lebensraum.
352Biodiversität ist das Immunsystem unserer Erde.
353Maßnahmen:
  • 354Erhalt artenreichen Dauergrünlands
  • 355Umwandlungsverbot für Dauergrünland und Einführung eines
    356Grünlandschutzgesetzes für Bayern
  • 357Mehr finanzielle Mittel für die Beratung der Landwirtinnen und
    358Landwirte zum Erhalt der Biodiversität
  • 359Eine Ausweitung von Programmen für Blühstreifen, Baumreihen, Gehölzen
    360und Zwischenfruchtansaaten
  • 361Höhere Vergütung über das EEG von ökologisch wertvollen
    362Energiepflanzen für Biogas aus mehrjährigen Kulturen und
    363Zwischenfruchtanbau
364Kein Gift auf unsere Felder
365Allein im Jahr 2012 wurden in Deutschland 6000 Tonnen glyphosathaltiges
366Pflanzengift auf unsere Äcker gespritzt. Glyphosat ist inzwischen von der
367Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft
368worden. Wir fordern die bayerische Staatsregierung auf, mit ihrer Verharmlosung
369dieses Allzweckgifts endlich Schluss zu machen. Wir fordern ein Verbot von
370Glyphosat auf Ackerflächen, bei der Neuansaat von Grünland und in Privatgärten.
371Auswirkung der schädlichen Intensivlandwirtschaft auf Bienen
372Bienen und andere Insekten sind für den Naturhaushalt unverzichtbar. Die von
373Monokulturen geprägte Landwirtschaft entzieht ihnen jedoch zunehmend die
374Nahrungsgrundlage. Hinzu kommt der Einsatz von Gift wie Neonicotinoide. Deshalb
375ist die Hälfte der bekannten Bienenarten und Insektenarten vom Aussterben
376bedroht. 2014 war das schlechteste Bienenjahr der Geschichte und das fünfte sehr
377schlechte Jahr in Folge. Nur eine nachhaltige und vielfältige Landwirtschaft und
378der Verzicht auf Gift können Bienen schützen. Durch die Anlage von Blühstreifen
379und -flächen können LandwirtInnen aktiv zum Überleben der Bienen und vieler
380Insekten beitragen.
381Maßnahmen:
  • 382Keine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in der EU Ende 2015
  • 383Endgültiges Verbot des Giftes der Neonicotinoide, wenn im Dezember
    384dieses Jahres das von der EU verhängte Moratorium ausläuft
385Bodenschutz
386Der Erhalt und die Verbesserung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit ist eine der
387wichtigsten Aufgaben in unserer Verantwortung für die nächsten Generationen. 18
388Hektar fruchtbarer Boden gehen pro Tag in Bayern durch Siedlungs-, Gewerbe- und
389Verkehrsbaumaßnahmen unwiederbringlich verloren. Die Staatsregierung lässt
390diesen Flächenfraß nicht nur zu, sie heizt ihn sogar mit der Aufweichung der
391Anbindeklausel im Landesentwicklungsprogramm an. Wir fordern endlich die
392Umsetzung eines kommunalen Flächenressourcenmanagements. In allen anderen
393Bundesländern ist es gelungen, den Flächenverbrauch zu senken, nur in Bayern
394betoniert die CSU unsere Böden weiter zu.
395Falsche Bodenbearbeitung mit schwerer Technik, Giften und unzureichender
396Fruchtfolge zerstören zudem das natürliche Bodengefüge auf unseren Äckern. Der
397wertvolle Humusgehalt geht verloren und das unzählige Leben unserer Böden
398stirbt. Für 95 % aller heimischen Insekten ist in ihrer Entwicklung ein
399bodenbewohnendes Stadium lebensnotwendig.
400Der Schwund heimischer Vögel auf unseren Äckern ist dramatisch. Eine Trendwende
401ist bisher nicht absehbar.
402Maßnahmen:
  • 403Umsetzung eines kommunalen Flächenressourcenmanagements mit dem Ziel,
    404den Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren
  • 405Schutz von wertvollen Ausgleichsflächen
  • 406kein Gifteinsatz auf ökologischen Vorrangflächen
  • 407Einhaltung einer vielfältigen mindestens dreigliedrigen Fruchtfolge
    408auf den Äckern und Winterbedeckung der Böden
  • 409Maßnahmen zur Minimierung der Verdichtung des Unterbodens
  • 410Wissensvermittlung um den richtigen Umgang mit Böden in der land- und
    411forstwirtschaftlichen Ausbildung
412IV Eine Landwirtschaft nahe am Menschen: regional und ökologisch
413Wir rücken bäuerlicher Vielfalt, Lebensqualität, eine Landwirtschaft im Einklang
414mit Mensch, Natur und Tier in den Mittelpunkt unserer Politik. Bäuerliche
415Betriebe stehen im Gegensatz zu agrarindustriellen Fabriken für Qualität und
416Wertschöpfung in der Region. Um diese Verantwortung nicht in Selbstausbeutung
417und wirtschaftlichen Ruin der Betriebe enden zu lassen, müssen wir die
418ökonomischen Rahmenbedingungen so ändern, dass sich gesamtgesellschaftliche
419Leistungen von Bäuerinnen und Bauern wieder lohnen.
420Höfesterben beenden
421Unser Ziel ist es, die bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft zu retten,
422Vielfalt zu erhalten und dem Höfesterben endlich ein Ende zu setzen. Es ist
423höchste Zeit, dass sich Bäuerinnen und Bauern nicht mehr zwischen „Wachsen oder
424Weichen“ entscheiden müssen. Wenn wir jetzt nicht die richtigen
425Rahmenbedingungen setzen, wird der Strukturwandel die in Bayern noch vorhandenen
426bäuerlichen Strukturen zerstören. Leider zementiert die EU Agrarpolitik mit
427ihren Finanzierungsinstrumenten den fortschreitenden Strukturwandel und das
428Sterben bäuerlicher Betriebe. Wir fordern die Wiedereinführung der Deckelung der
429Direktzahlung für Großbetriebe und eine stärkere Umverteilung hin zu bäuerlichen
430Betrieben.
431Ein wichtiger Weg zum Erhalt einer Vielfalt von Betrieben ist die konsequente
432Unterstützung und der deutliche Ausbau des Ökolandbaus. Wir Grüne sehen darin
433den Zukunftsmarkt für die bayerische Landwirtschaft. Der Ökolandbau muss endlich
434aus der 7-Prozent-Nische heraus. Wir wollen eine Agrarwende, die ein ressourcen-
435und umweltschonendes Wirtschaften ermöglicht.
436Faire Preise mit regionalen Wirtschaftskreisläufen - weg von der
437Weltmarktfixierung

438Die Industrialisierung und Exportorientierung der bayerischen Landwirtschaft
439nimmt immer weiter zu. Doch es ist der falsche Weg, der die Bäuerinnen und
440Bauern zu Verlierern macht. Es wird mehr an der Landwirtschaft verdient als mit
441der Landwirtschaft. Angefangen bei Saatgutherstellern über Spritzmittel-,
442Agrotechnik-, Kunstdüngerherstellern bis hin zur lebensmittelverarbeitenden
443Industrie, der Exportwirtschaft und Bodenspekulanten. Je spezialisierter ein
444Betrieb, umso abhängiger. Als Ergebnis stehen die Erzeugerpreise stark unter
445Druck. Die Gewinne der Landwirte werden ausschließlich über Masse gemacht.
446Dieser Preiskampf um immer billigere Nahrungsmittelrohstoffe ist die wesentliche
447Triebfeder für die Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft. Den Export-Wettlauf,
448mit dem beispielsweise unsere Milch auf dem Weltmarkt zum Ramschprodukt
449verkommt, können die bayerischen Landwirtinnen und Landwirte nur verlieren. Wir
450fordern daher Maßnahmen, die es den Milchbauern ermöglichen, tiergerecht,
451umweltfreundlich und qualitativ hochwertige Milch zu produzieren und dafür einen
452fairen Preis zu erwirtschaften.Um den fallenden Milchpreisen entgegenzuwirken,
453brauchen wir Steuerungsinstrumente wie ein Bonussystem für die
454Milchmengenreduzierung.
455Wenn wir nicht handeln, geht der Zwang, immer noch billiger zu produzieren,
456weiterhin zu Lasten der Umwelt, der Tiere und der Landwirte. Kleine und mittlere
457landwirtschaftliche Betriebe gehen daran kaputt. Nicht nur bei uns in Bayern
458sondern auch weltweit. Mit dem amerikanisch-europäischen Freihandelsabkommen
459TTIP wird sich die Situation weiter verschärfen, denn mit billigen
460Fleischimporten aus den USA wird die bayerische Landwirtschaft noch stärker
461unter Druck geraten. Wir Grüne fordern den sofortigen Stopp von TTIP auf
462Grundlage des jetzigen Verhandlungsmandats, denn das Abkommen gefährdet unsere
463bäuerlichen Betriebe und führt zu einer Absenkung unserer Umwelt- und
464Verbraucherstandards.
465Starke Regionen sind der richtige Weg
466Wir sind überzeugt: Die Stärkung der Regionen ist der richtige Weg für Bayern.
467Unser Land hat alle Voraussetzungen für eine umweltgerechte und regional
468verankerte Land- und Lebensmittelwirtschaft. Hochwertige Agrarprodukte, in der
469Region erzeugt und verarbeitet, halten die Wertschöpfung in Bayern. Die
470Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe sichert nicht nur den bayerischen
471Bäuerinnen und Bauern ihre Unabhängigkeit, sie sichert auch die Qualität in der
472Lebensmittelerzeugung. Die fortschreitende Industrialisierung der
473Landwirtschaft, begleitet vom Höfesterben, hat zu einer erheblichen Schwächung
474der ländlichen Räume geführt – so mussten in den letzten 35 Jahren über 180.000
475meist kleinere landwirtschaftliche Betriebe aufgeben und alleine in den letzten
47615 Jahren ist jeder vierte Arbeitsplatz in der Landwirtschaft verschwunden.
477Diesen Trend wollen wir Grüne umkehren. Zusammen mit Handwerks- und
478Dienstleistungsbetrieben, Betrieben der Lebensmittelverarbeitung und -
479vermarktung, der Gastronomie, dem ländlichen Tourismus bilden
480Landwirtschaftsbetriebe Wirtschaftsstrukturen, die Werte schaffen und die
481Wertschöpfung in den Regionen halten. Eine gesunde eigenständige
482Regionalstruktur bietet weit mehr Arbeitsplätze als eine rationalisierte,
483exportorientierte, industrielle Landwirtschaft. Wir brauchen ein gezieltes
484Existenzförderungsprogramm für die das ländliche Lebensmittelhandwerk. Darüber
485hinaus soll Bayern gezielt Erzeugergemeinschaften unterstützen, die regionale
486Spezialitäten in marktrelevanten Mengen und Qualitäten anbieten. Es soll eine
487Landesinitiative zur Stärkung einer regionalen, ökologischen Esskultur in der
488Bayerischen Gastronomie und Hotellerie auf den Weg gebracht werden.
489Maßnahmen:
  • 490Einrichtung eines Regionalprogramms zum Aus- und Aufbau notwendiger
    491Verarbeitungs- und Vertriebsstrukturen landwirtschaftlicher
    492ErzeugerInnen
  • 493Förderung von Investitionen in artgerechte Tierhaltungssysteme,
    494Direktvermarktung und –verarbeitung und Umwelt- und Klimaschutz
495Ökologische Landwirtschaft - mehr bayerisches Bio
496Der ökologische Landbau ist die Form der Landwirtschaft, bei der ein
497verantwortungsvoller Umgang mit Tieren, der Schutz unserer natürlichen
498Ressourcen wie Grundwasser und Böden, Landschaftspflege und der Erhalt der
499Artenvielfalt an erster Stelle stehen. Deshalb ist Ökolandbau unser Leitbild für
500eine nachhaltige Landwirtschaft. Und Bio boomt. Aber nicht bei den Bauern
501hierzulande. Während die Nachfrage nach Bioprodukten in Bayern in den letzten
502Jahren rasant angestiegen ist, stagnierte die ökologisch bewirtschaftete Fläche.
503Mit der Initiative BioRegio Bayern 2020 war die Staatsregierung 2013 angetreten,
504den Öko-Landbau in Bayern bis 2020 zu verdoppeln. Doch noch immer liegt der
505Anteil der Ökobauern im Freistaat bei nur 7% an der Anbaufläche, das ist viel zu
506wenig. Bayern ist ein Milchland, doch während die bayerische Landwirtschaft bei
507konventionell erzeugter Milch 178 Prozent des heimischen Bedarfs deckt – also
508einen großen Teil der Erzeugung auf dem Weltmarkt absetzen muss – liegt der
509Selbstversorgungsgrad bei Biomilch bei lediglich 68 Prozent. Mit dem Ende der
510Milchquote ist ein weiterer Preisverfall und damit eine existentielle Bedrohung
511für konventionell wirtschaftende Höfe eingetreten. Von nicht mal 30 Cent pro
512Liter Milch kann kein Bauer leben. Dagegen ist der Bedarf an Biomilch riesig und
513der Preis für die Bäuerinnen und Bauern fair und stabil. Diese Chance für mehr
514Bio in Bayern muss genutzt werden und die richtigen Rahmenbedingungen dafür
515müssen gesetzt werden. Wir sind davon überzeugt, dass wir in Bayern großartigen
516Möglichkeiten haben, die Bioprodukte selbst zu erzeugen, anstatt sie weiter
517importieren zu müssen. Deshalb wollen wir die Umstellung auf den ökologischen
518Landbau voranbringen und die Vermarktung regionaler Produkte stärken. Unser Ziel
519sind 20% ökologisch bewirtschaftete Flächen in Bayern bis 2020.
520Bildungsoffensive ökologische Landwirtschaft
521Doch dafür braucht es neben den richtigen Fördermaßnahmen vor allem eine
522Bildungsoffensive für die ökologische Landwirtschaft. Fehlende
523Ausbildungsmöglichkeiten und damit fehlende Kenntnisse zur ökologischen
524Wirtschaftsweise dürften für viele junge, aber auch umstellungsinteressierte
525Landwirte wichtige Gründe sein, ihren Betrieb nicht ökologisch zu
526bewirtschaften. Wir begrüßen die Einführung des Studiengangs "Ökologische
527Landwirtschaft" an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zum Wintersemester
5282015/16, sowie die Bildungsangebote für ökologischen Landbau und Tierhaltung an
529der Akademie Kringell. Diese Bildungsangebote müssen flächendeckend ausgebaut
530werden und verstärkt Einzug in die konventionellen Aus- und
531Weiterbildungseinrichtungen halten.
532Maßnahmen:
  • 533Stärkere Förderung für Umstellungsbetriebe in den ersten 2 Jahren
  • 534Langfristige Absicherung der Förderung des ökologischen Landbaus
  • 535„Ökologische Landwirtschaft“ als attraktiven Studiengang verstetigen
    536und das Angebot ausweiten
  • 537Anpassung der Lehrpläne aller landwirtschaftlichen Berufsschulen
  • 538Stärkung der Agrarforschung insbesondere im Hinblick auf die
    539regionale/samenfeste Sortenzüchtung und Zweinutzungsrassen
  • 540Ernährungsberatung und Aufklärung über Lebensmittelproduktion an
    541Kindergärten und Schulen
542Öffentliche Gelder nur für öffentliche Leistung
543Wir finden es unsäglich, dass Milliarden von öffentlichen Geldern in die
544Agroindustrie gepumpt werden, unter deren negativen Auswirkungen wir alle
545leiden. Immer noch bekommen Großbetriebe einen unverhältnismäßig großen Anteil
546der Fördermittel. Diese falschen Anreize haben in den vergangenen Jahren die
547schädliche Intensivierung der Landwirtschaft massiv vorangetrieben und zum
548dramatischen Höfesterben beigetragen. Eine gerechtere Verteilung ist 2013 auf
549europäischer Ebene auch am Widerstand der deutschen Landwirtschaftsministerien
550Ilse Aigner gescheitert. Wir wollen eine Förderpraxis, die den Wandel zu einer
551modernen und nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft einleitet. Neue Wege in der
552Landwirtschaft erfordern mutige Entscheidungen über Umverteilungen innerhalb des
553bisherigen Systems. Wir wollen, dass sich die Förderung künftig auf kleine und
554mittlere landwirtschaftliche Betriebe konzentriert und nicht die Großen
555subventioniert. Öffentliche Gelder sollen nur für Leistungen gezahlt werden, von
556denen wir alle profitieren. Nur so können wir unsere Natur- und Kulturlandschaft
557effektiv schützen. Der Ökolandbau ist die nachhaltigste Form der Landwirtschaft.
558Deshalb ist er bei der Investitionsförderung deutlicher zu bevorzugen.
559Konventionelle Betriebe, die auf ihren Bauernhöfen nachhaltig wirtschaften,
560wollen wir ebenso unterstützen, denn nur gemeinsam kann uns der Umbau der
561Landwirtschaft gelingen.
562Maßnahmen:
  • 563Umschichtung der Mittel der EU-Agrarförderung aus der ersten Säule
    564(Direktzahlung) in eine starke zweite Säule
  • 565eine Umstellung der Ausgleichszahlungen aus dem Europäischen
    566Landwirtschaftsfonds (ELER), so dass gewährleistet ist, dass nur noch
    567Investitionen in besonders tiergerechte Tierhaltungen gefördert werden
568Die Agrarwende selbst in die Hand nehmen
569Wie bei der Energiewende kann die Agrarwende nur gemeinsam mit den BürgerInnen
570gelingen. In den letzten Jahren ist eine landwirtschaftspolitische
571Graswurzelbewegung entstanden, die zeigt, dass neue Ansätze und Initiativen
572erfolgreich sein können. Solche Ansätze sind z.B. Vermarktungsgenossenschaften
573und die solidarische Landwirtschaft. Dort werden die Lebensmittel nicht mehr
574über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren
575Wirtschaftskreislauf, der von den Beteiligten mit organisiert und finanziert
576wird. Diese Strukturen wollen wir stärken, denn hier finden wir die Pioniere des
577Wandels, die sich schon auf den Weg gemacht haben, oft mit großem persönlichem
578Einsatz und finanziellem Risiko. Sie brauchen unsere politische Unterstützung.
579Maßnahmen:
  • 580Förderung landwirtschaftspolitischer Graswurzelbewegungen
581V Eine global gerechte Landwirtschaft
582Die industrielle Landwirtschaft, die auf Massentierhaltung, Import von
583Futtermitteln und Agrarexport basiert, hat enorme Auswirkungen auf die
584Ernährungssicherung und die Ernährungssouveränität in den Ländern des globalen
585Südens. Eine Welt ohne Hunger und Mangelernährung ist für uns Grüne ein
586zentrales Ziel. Agrarwende und der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung
587weltweit gehören zusammen gedacht. Über Initiativen wie die German Food
588Partnership fördert die Bundesregierung unter fleißiger Mitwirkung der CSU-
589Minister die zunehmende Monopolisierung der Landwirtschaft. Egal ob Saatgut,
590Düngemittel oder Gifte, immer weniger Konzerne kontrollieren in immer größerem
591Maße den Agrarsektor. Das schadet sowohl bäuerlichen Betrieben in Bayern, die
592ökologisch produzieren möchten als auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern
593weltweit. Anstatt neue Abhängigkeiten zu schaffen, aus denen einige wenige
594Großkonzerne Profite schlagen, sollten wir bäuerliche Betriebe in Bayern und
595Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit stärken. Der Weltagrarbericht belegt
596auf alarmierende Weise: nur eine radikale Umkehr hin zur bäuerlichen
597Landwirtschaft kann die Welternährung langfristig sicherstellen.
598Ressource Land
599Fruchtbarer Boden ist eine knappe Ressource. Soja-Plantagen und andere
600Monokulturen verdrängen weltweit lokale Kleinbauern. Ursache ist auch unser
601übermäßiger Fleischhunger. Außerdem werden Böden durch Überdüngung, falsche
602Anbauweisen und Gifteinsatz zerstört. Der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem
603Land wird für die lokalen Kleinbauern weltweit zur Existenzfrage. Unser
604Überschuss (z.B. an Milch) in Bayern wird auf Kosten der Ressourcen und der
605Fläche in den Ländern des globalen Südens produziert, die den Menschen dort für
606den Anbau ihrer Lebensmittel fehlen. Unsere Art der Landwirtschaft und unsere
607Art der Ernährung tragen zum Hunger in der Welt bei und beschleunigen durch die
608fortschreitende Zerstörung der Savannen und der Regenwälder die Klimakrise. Wir
609Grünen stehen für eine global gerechte Landwirtschaft, für den Anbau von
610Futtermitteln auf eigenen Flächen statt massiver Futtermittelimporte und für ein
611faires Auskommen aller Bäuerinnen und Bauern – egal ob in Bayern oder Benin.
612Klima schützen
61318 Prozent der durch den Menschen verursachten Treibhausgase werden in der
614Landwirtschaft erzeugt. Das ist mehr als durch den gesamten Verkehr weltweit.
615Einerseits produziert die industrielle Nutztierhaltung große Mengen der
616klimaschädlichen Gase Ammoniak und Methan, andererseits setzt die großflächige
617Urwaldabholzung für Futtersoja und Palmöl große Mengen an CO2 frei.
618Problematisch ist besonders die Massentierhaltung. Daher unterstützen wir die im
619UN Bericht 2010 formulierte Schlussfolgerung: „Ein Wechsel zu einer Ernährung
620mit deutlich weniger tierischen Produkten ist notwendig, um die Welt vor den
621schlimmsten Folgen des Klimawandels zu retten“.
622Maßnahmen:
  • 623Anbau von Futtermitteln auf eigenen Flächen in Bayern statt massiver
    624Futtermittelimporte aus Entwicklungsländern
  • 625Raus aus der landwirtschaftlichen Überschussproduktion in Bayern,
    626Deutschland und Europa. Diese Überproduktion zerstört die
    627Weltmarktpreise und damit die Einkommen der KleinbäuerInnen
  • 628Ausbau der Bildung zum Erhalt des traditionellen Wissens in der
    629Landwirtschaft
  • 630Förderung der Bekanntheit von Öko & Fair-Initiativen/Siegeln
  • 631Schutz und Verbreitung lokaler und sortenfester Samen sowie den
    632Klimaregionen angepasste Tierrassen
  • 633Klimaschonend Essen als Bildungsaufgabe
634Wir haben es in der Hand
635Wir Grünen sind davon überzeugt, dass es uns gelingen kann, die Wende zugunsten
636einer langfristig umwelt- und tiergerechten Landwirtschaft in die Wege zu
637leiten. Für den Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft in unserem schönen
638Bayern brauchen wir eine nachhaltige Landwirtschaft mit tiergerechterer
639Tierhaltung. Große Teile der Bevölkerung unterstützen diese Ziele. Wir Grüne
640wollen sie in enger Abstimmung gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern
641erreichen. Bäuerliche Betriebe brauchen wieder eine echte Zukunftsperspektive
642und Entwicklungspfade jenseits der agroindustriellen Irrwege, ob im Haupt- oder
643im Nebenerwerb, in Einzelunternehmen oder als Genossenschaft organisiert. Dass
644die richtige politische Rahmensetzung eine gute Landwirtschaft bewirkt, zeigen
645unsere LandwirtschaftsministerInnen in den grün (mit-)regierten Bundesländern.
646Das muss auch der Weg für Bayern sein.
647Für eine solche Neuausrichtung der Agrarpolitik sind engagierte politische
648Entscheidungen, umfassende Informationen und Überzeugungsarbeit bei allen
649Beteiligten notwendig. Wer, wenn nicht wir Grünen, sollte diesen Anspruch
650formulieren und Wege dorthin aufzeigen.

Änderungsanträge